Schützenvogel & Vogelschießen

Eine der traditionsreichsten und begehrtesten Königswürden unserer Schützengesellschaft ist der Vogelkönig.

An insgesamt sieben Terminen werden die Körperteile und Insignien des hölzernen Vogels der Reihe nach abgeschossen. Alle Schützen, die zu Schützenfest aufgesetzt haben, sind startberechtigt. Um am letzten, siebten Schießen teilnehmen zu können, muss man an insgesamt drei Terminen im Vorfeld dabei gewesen sein.

In früheren Jahrhunderten wurde der Vogel, manchmal auch Papagei genannt, auf einer hohen hölzernen Stange angebracht und dann nach einem ähnlichen Modus wie dem heutigen abgeschossen.

Mit den gestiegenen Sicherheitsbestimmungen und der Nutzung von Gewehren mit geringerem Kaliber verkleinerte sich auch der Vogel.

Im Museum am Westerturm hängt noch ein Vogel aus den 1940er Jahren. Das Schießen auf den Vogel im Jahr 1914 wurde wegen des Kriegsausbruches nach der Hälfte des Wettbewerbs eingestellt. Als Mahnmal hängt das Fragment des Vogels mit Körper, Stoß, Kopf und Schnabel nun im Deutschen Schützenmuseum auf Schloss Callenberg in Coburg.

Heutzutage wird der Vogel auf einer Entfernung von 60 Metern auf unserem 100 Meter Stand angebracht. Somit sind alle Sicherheitsauflagen auch an dieses Schießen erfüllt.

Am spannendsten ist das Abschießen des letzten Teils, dem Corpus (Körper). Vor allem gehört auch ein wenig Glück dazu, zur richtigen Zeit mit seinem Schuss an der Reihe zu sein.

Um einen besseren Überblick zu bekommen, stehen die Schützen teilweise mit Ferngläsern auf dem Schießstand und beobachten die Treffer. Eine Kamera ist direkt auf den Vogel gerichtet und überträgt alles live. So manches Zucken des Holzes wird mit Juchzern und Rufen begleitet. Groß ist das Hallo und die Freude beim betreffenden Schützen, wenn dann der Corpus gefallen ist.

Ähnlich geht es beim Schießen auf die Damenehrenscheibe der Damen zu.

Seit langen Jahren schießen die Damen parallel zu den Herren um die Damenehrenscheibe. Wurde bis vor einigen Jahren noch auf dem 50 Meter-Stand eine 3-Teiler-Wertung ausgeschossen, so hat sich das Schießen mittlerweile gewandelt.

Es wird auf eine „Flatterscheibe“ mit sieben Holzarmen geschossen. Auf eine vorher markierte Stelle eines Holzarmes schießen die Damen pro Schießtag bis dieser „fällt“. Diejenige, die am 7. Schießtag den letzten Arm abgeschossen hat, ist die Gewinnerin der Damenehrenscheibe.

Die Scheibe und die Plättchen, die auf den Holzarmen angebracht sind, werden jeweils von der letztjährigen Gewinnerin gestaltet. Sie ist dabei frei in der Motivwahl. Von Tabaluga (signiert von Peter Maffay) über Schneewittchen bis hin zum Stadtwappen war bislang alles vertreten…

Auch hier kommt es beim Schießen zu lustigen Situationen, wenn die Holzlatte sich neigt, aber nicht fällt. Manches Mal hing sie am seidenen Faden im 90°-Winkel herunter. Und diesen einzelnen Faden erst einmal treffen, ohne so richtig zu erkennen, wo er sich befindet…

Auf alle Fälle ist dies ein sehr lebendiges Schießen und macht uns Schützendamen sehr viel Spaß. Es war eine gute Entscheidung, hier eine neue Tradition zu beginnen.

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